WALTER BAUER NEWS

Im Juni 2020 erschienen zwei weitere Neuauflage von Werlen Walter Bauers in der Edition Isele:

Prof. Dr. Henry Beissel (Ottawa), langjähriger Freund Walter Bauers und erster Walter-Bauer-Preisträger (1994) schrieb dazu in einer Mail vom 8.6.2020:

"Inzwischen sind Der Polflug  und Mount Everest angekommen. Die Aufmachung mit den fantastischen Fotos ist toll, die Texte aber noch toller! Ich hatte angenommen, dass die beiden Bücher vielleicht etwas überholt wären. Walter hat sie nie erwähnt, obwohl wir jahrelang eng befreundet waren und oft über unsere schriftstellerischen Arbeiten sprachen. Ich finde beide Schriften genial - genial das Einfühlungsvermögen und die Vorstellungskraft von Erlebnissen, von Menschen und Landschaften, die er nicht aus eigener Erfahrung kannte. Und immer und überall seine grenzenlose Humanität. Diese kleinen Bücher sind groß in der Vermittlung menschlicher Tatkraft, Ausdauer und Opferbereitschaft. Der Polflug und Mount Everest zaubern mit tiefer Einsicht und höchster Spannung zwei heroische Ereignisse aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Jeder sollte diese beiden Bücher lesen. Ich war tief berührt von beiden. Schade dass Walter sie nie erwähnte; ich hätte sie sonst ins Englische übertragen."


 

 

Daniela Danz

 Rezension zu: Walter Bauer „Mount Everest. Bericht von Mallory und seinen Freunden‟ 

Edition Isele 2020

 

Wir wissen es bis heute nicht und auch als man 1999 die Leiche von George Mallory im ewigen Eis fand, blieb das Rätsel ungeklärt, ob er und sein Kollege Andrew Irvine 1924 als erste den Gipfel des Mount Everest erreicht hatten, bevor sie starben. Fast dreißig Jahre vor Hillary und Norgay brachen sie als Teilnehmer der Britischen Mount-Everest-Expedition auf, um den Gipfel des höchsten Berges der Welt zu erklimmen. Angesichts der bergsteigerischen Ausrüstung der damaligen Zeit ein absolutes Wagnis, bei dem beide den Tod fanden. Mallorys Leiche barg man nach 75 Jahren unweit des Berggipfels und obwohl seine Kleidung sehr gut erhalten war, fehlte das Foto seiner Frau Ruth, das er auf dem Gipfel ablegen wollte. Ob er vor seinem Tod sein Ziel erreicht hatte, wird damit für immer ungeklärt bleiben müssen.

 

Es ist dies aber nicht die entscheidende Frage, die Walter Bauer in seinem 1950 erstmals erschienenen Buch „Mount Everest‟, das nun von Jürgen Jankofsky in der Edition Isele neu herausgegegeben wurde, leitet. Ihm geht es vielmehr darum, über die Energie zu schreiben, die der Wunsch, diesen unerreichten Gipfel zu bezwingen, in den Expeditionsteilnehmern von 1924 auslöste. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich nicht hinaufkomme, unmöglich, mich in die Rolle des Besiegten hineinzudenken,‟ schrieb Edward Norton im Mai 1924 an seine Frau. Eine Sichtweise auf das tiefere Begehren, den Berg zu bezwingen, die Bauer aufgreift und in vielfältiger Weise variiert.

 

Faktenreich und unaufgeregt zieht der vom Verlag mit eindrucksvollen Fotos des Everestmassivs versehene Band den Leser in seinen Bann. Durch sachliche Beschreibungen des Anstiegs und der dafür unerlässlichen Planung und Logistik gelingt es Bauer auf erstaunliche Weise, die Handlung nicht durch dramatische Elemente, sondern durch den Reiz des Faktischen zu verdichten. So wie Mallory und seine Kameraden immer weiter in den Sog der Gipfelbesteigung gezogen werden, gerät auch der Leser in den Sog der Mühsal dieses Unternehmens, obwohl der Ausgang durchaus gewiss ist. Wohldosiert flicht Bauer mit zunehmender Gipfelnähe auch metaphysische Momente ein, die eine Ahnung davon geben, wie die absolute Konzentration der Männer auf das Ziel von ihnen Besitz ergriffen haben muss, je näher die entscheidende letzte Etappe rückte: „Ja, die Welt war unter ihnen, und hier, wo sie standen, war ihre Mitte und der Kern des Schweigens. Die höchsten Berge der Erde, Tsojo, Gyatsching, lagen wie zu Hügeln erniedrigt unter ihrem Blick … .‟ Der Berg wird seinen Eroberern, allen voran Mallory, zunehmend zur Idee, eine Idee, wie Bauer prägnant formuliert,  die  sichtbar gemacht werden musste, um jeden Preis – „ohne den Everest würde es fortan zu leicht sein. Auf dem Gipfel sein, hieß: die Höhe seiner selbst zu erreichen.‟

 

Was Bauer, und das ist eine weitere große Stärke des Buches, dabei nie vergisst, ist, dass diejenigen, die den Gipfel erreichen würden, ihn nie allein erreichen könnten, sondern nur durch ein System der wechselseitigen Absicherung, das auch verlangte, das das der Ehrgeiz des Einzelnen hinter dem Wohlergehen des gesamten Expeditionsteams zurückstehen musste.

 

Und es war ein System der Kalkulation von Ausfällen, das vorsah, dass ein Paar der sechs Bergsteiger durchkommen musste, auch wenn, um den kollektiven Sieg zu erreichen, andere in der Seilschaft dafür Opfer bringen mussten. Bauer versäumt es deshalb auch nicht, die Namen einiger der Träger zu nennen, die mit Mallory und seinen Partnern aufstiegen und ohne deren Hilfe die Expedition schlichtweg unmöglich gewesen wäre. Wie sollte er das auch versäumen, wo Bauer doch wie wenig andere Schriftstellern seiner Zeit ein Gespür für das Kollektiv hatte, wovon schon die Titel seiner frühen Gedichtbände „Kameraden, zu euch spreche ich‟ und der Band, der ihm zum Durchbruch verhalf, „Stimme aus dem Leunawerk‟, zeugen. Es war sein erklärtes Anliegen, von Menschen zu erzählen, von denen niemand spricht. Die Welt der Arbeiter, für Bauer eine des wechselseitigen Angewiesenseins und die Welt der Literatur waren für ihn nie getrennt und verbanden sich auch in seiner Biografie, die einen geradezu sprichwörtlichen Aufstieg vom Tellerwäscher zum Professor in seinem zweiten Leben in Toronto birgt. Dabei ist der schriftstellerische Fleiß Bauers trotz aller Fährnisse seines Lebens mit rund 90 Veröffentlichungen und die Bandbreite seines Schaffens von Romanen, Erzählungen und Biografien über Kinderbücher und Essays bis zu Lyrik und Hörspielen schier überwältigend. Umso verdienstvoller ist das Unternehmen der Neuherausgabe seines Werks, wie es seit Jahren von dem in Leuna lebenden Schriftsteller Jürgen Jankofsky betrieben wird. Möge dieses langjährige Engagement fruchten, den Namen Walter Bauers auch durch diesen feinen Band in die Reihe der literarischen Sieben- und Achttausender aufzunehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Mai 2020 erschien in der Edition Isele eine Neuherausgabe Walter Bauers großer Nansen-Biografie, für der er 1956 mit dem Albert-Schweitzer-Preis geehrt wurde:

 

 

 

 

Im Dezember 2019 erschienen im SIGNUM-Sonderheft "Die Kolonne" 2 Gedichte Walter Bauers: "Ich habe die Erde verloren" und "Aus: 'Das Silobuch'".

 

 

 

 

Im Rahmen des Merseburger Freundeskreises Literatur e.V. wurde in der Jahresversammlung am 16.10.2019 eine "Arbeitsgruppe Walter Bauer" unter Leitung von Jürgen Jankofsky gegründet.   

Ende September 2019 erschien der nunmehr 5. Band der Walter-Bauer-Reihe im Mitteldeutschen Verlag:

In der Ausgabe 3/2019 der Literaturzeitschrift "oda - Ort der Augen" erschien diese Rezension von André Schinkel:

 

 

 

 

In der Sommerausgabe 2019 der sächsischen Literaturzeitschrift SIGNUM bildet der "Exkurs Walter Bauer" den inhaltlichen Schwerpunkt anlässlich des 90. Jahrestages der Veröffentlichung Walter Bauers erstem Gedichtband "Kameraden zu euch spreche ich" im Dresdener Kaden-Verlag. Neben Texten Walter Bauers finden sich hier Beiträge von Wulf Kirsten, Norbert Weiss, Jens Wonneberger und Jürgen Jankofsky.  

 

 

 

Anfang Juni 2019 erschien im Märkischen Verlag Wilhelmshorst das von Axel Vieregg herausgegebene "POESIEALBUM 346 - Walter Bauer"

Am 15. Mai 2019 lasen in der cce-Galerie des Kulturhauses Leuna der Walter-Bauer-Preisträger 2018, Thomas Kunst, und die Walter-Bauer-Stipendiatin 2018, Adina Heidenreich. Ich gabe dabei erstmals Einblicke in meine Walter-Bauer-Programme.

 

 

In der Walter-Bauer-Reihe des Mitteldeutschen Verlages, die 2016 mit einer erweiterten Neuausgabe von Walter Bauers berühmten Buch "Stimme aus dem Leunawerk" und meiner Hommage à Walter Bauer "Graureiherzeiten" begründet wurde, erschienen 2018: Günter Hess "Walter Bauer - ein Lebensweg von Merseburg nach Toronto. Eine Biografie" und Jürgen Jankofsky / Günter Hess "Sonnentanz. Ein Walter-Bauer-Lesebuch".

 

 

 

 

 

 

 

Walter-Bauer-Preisträger

 

 

 

1994

 

Prof. Dr. Henry Beissel / Dr. Hans-Martin Pleßke

 

 

 

1996

 

Jürgen Jankofsky

 

 

 

1998

 

Eva Strittmatter

 

 

 

2000

 

Wilhelm Bartsch

 

 

 

2002

 

Wolfgang Hilbig

 

 

 

2004

 

Prof. Dr. Angelika Arend

 

 

 

2006

 

Wulf Kirsten

 

 

 

2008

 

Peter Gosse

 

 

 

2010

 

Dieter Mucke / Landolf Scherzer

 

 

 

2012

 

André Schinkel

 

 

 

2014

 

Prof. Kerstin Hensel  

 

 

 

2016

 

Matthias Biskupek

 

 

 

2018

 

Thomas Kunst

 

 

2020

 

Jens-Fietje Dwars

 

 

 

 

Walter-Bauer-Stipendiaten

 

 

 

2006

 

Christian Kreis

 

 

 

2008

 

Thomas Rackwitz

 

 

 

2010

 

Danilo Pockrandt

 

 

 

2012

 

Bernhard Spring

 

 

 

2014

 

Michael Spyra

 

 

 

2016

 

Florian Liesegang

 

 

 

2018

 

Adina Heidenreich

 

 

2020

 

Christoph Liedtke