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Laudatio zur Verleihung des Walter-Bauer-Preises 2018 an Thomas Kunst von Matthias Biskupek (Auszug)

Als ich im September vor fünf Jahren zur Brigitte-Reimann-Ehrung nach Burg bei Magdeburg eingeladen worden war, sprach da auch der Ministerpräsident, erzählte, wie er als studierender Physiker von dieser Autorin beeinflusst wurde. Ein bisschen, ein kleines bisschen, kam mir da in den Sinn, dass der utopische Wunsch nach Einheit von Geist und Macht doch hie und da hervorlugt. Ministerpräsidenten, die mal Wissenschaftler waren. Eine Autorin, die mit Bauarbeitern nicht nur Schnaps trank, sondern diese auch zur Literatur verführen wollte.

 

Die damalige Veranstaltung war weitgehend vom Literatur-Motor Sachsen-Anhalts organsiert worden. Und auch der Walter-Bauer-Preis wurde wesentlich von diesem Motor, der heißt hier „Friedrich-Bödecker-Kreis“, bestimmt. Es ist sicherlich dem Zufall geschuldet, dass Lese- UND Literaturförderung, Arbeit mit ausländischen Gästen UND die hiesige Literaturzeitschrift „oda“ alle unterm Bödecker-Dach sich fanden. Jahrzehnte währte das so, Jahrzehnte saß Geschäftsführer Jürgen Jankofsky in allerlei Preis- und Organisationsrunden. War irgendwo die Literaturförderung gefährdet – gebt das dem Janko, wie er genannt wurde, der macht das schon. Er schafft nötiges Geld heran, er sorgt für Lesungen der Kollegen. Als er 65 wurde bekam er nicht etwa Glückwünsche seines Vereins, sondern den Rausschmiss. Obwohl er ein paar Monate später ohnehin in den Ruhestand gegangen wäre. Als Grund wurde in den Medien zunächst das unkorrekte Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin genannt. Das wurde schnell fallengelassen. Dann hieß es, Janko habe Übersetzungen ungerechtfertigt von Bödecker bezahlen lassen. Der kündigende Vorstand trat kurz nach seinem Schlag gegen den Geschäftsführer zurück – eigentlich hätte er Unkorrektheiten doch längst bemerken müssen, denn ist ein Vorstand nicht dazu da, den Geschäftsführer zu leiten, zu lenken, zu überwachen?

 

Nun ist die Literaturszene dieses stolzen mitteldeutschen Landes gespalten, Schriftsteller rufen pro und kontra, manch Kulturdezernent ist verunsichert, auf der Netzseite des Friedrich-Bödecker-Kreises stehen keine Namen, keine Verantwortlichkeiten, das literarische Leben läuft dennoch – gequält – weiter. Und bis deutsche Gerichte entschieden haben werden …

 

Mitteldeutsche Zeitung 1.11.2018

 

DOKUMENTE AB SEPTEMBER  2018

 

 

 

 

 

Brief an den Vorsitzenden des Kulturausschusses des Landtags vom Sachsen-Anhalt vom 13.10.2018

 

 

André Schinkel M. A.   Autor und Lektor, Mitglied des P. E. N. und der ADK-san

 

 

Sehr geehrter Herr Lippmann,

 

ich möchte Ihnen heute mein Nachwort für meinen Band „Die Anna-Hood-Gang erobert das Geiseltal“, an dem ich mit Kindern der zweiten bis vierten Klassen der Lessing-Grundschule in Braunsbedra arbeitete, zukommen lassen. Das Buch selbst erscheint im November, und ich lade Sie gern zur Buchpremiere in den Festsaal der Schule am 21.11.18 um 16 Uhr ein.

 

Das Projekt fand im Rahmen von „Kultur macht stark II“ statt, einem deutschlandweit und international agierenden Konvolut Autorenpatenschaften, das insgesamt 180 Einzelprojekte enthält und vom Bildungs- und Forschungsministerium der deutschen Bundesregierung gefördert wird. Initiator und Redakteur der Sache ist Jürgen Jankofsky. Es wird Ihnen zu Ohren gekommen sein, daß durch einen die Literaturszene des Landes Sachsen-Anhalt zu zerstören drohenden Streit im Friedrich-Bödecker-Kreis des Landes es zu einer Absetzung Jürgen Jankofskys, der für seine Arbeit bundesweit wie international hochgeachtet ist, als Geschäftsführer kam. Die Gründe dafür sind bis heute nicht klar ersichtlich und werden wohl nur noch juristisch beurteilbar sein, da eine Aussicht, sich jenseits der rechtlichen Wege zu einigen, wohl nicht mehr besteht.

 

Aber ich möchte darauf hinweisen, daß das Projekt selbst unverständlichen Angriffen ausgesetzt ist, die mich bewegen und befremden. Die Autorenpatenschaften wurden als nicht dienlich für das Vermitteln von Toleranz, Nächstenliebe und Freundschaft bezeichnet. Ich sage Ihnen: das Gegenteil ist der Fall. Genau diese Tugenden können die Autorenpatenschaften vermitteln. Die Kinder lieben diese Art, zur Kreativität, zum Nachdenken angehalten zu sein. Im Fall von Braunsbedra ist es so, daß von Kinderseite die Fortsetzung, Verlängerung des Projekts, das im Dezember endet, erbeten wird. Mehr noch, das Autorenpatenprojekt wirkt in die Stadt hinein, es geriert Bibliotheksleser u. v. m.

 

Ausgehend von der Ur-Erzählung entstanden insgesamt 400 Texte und Zeichnungen, von denen sich etwa 100 im Buch wiederfinden – das Gesamtkonvolut archiviere ich für die Schule, die Bibliothek vor Ort und das Institut für Grundschulbildung in Halle, das eine der größten Sammlungen von Kinder-Texten in Europa beherbergt. Diese Dinge, glaube ich, zeigen, daß es und auf welche gute Weise es möglich ist, Toleranz und Nächstenliebe – die wohl künftig wichtigsten Begriffe beim Heranwachsen nächster Generationen – weniger zu lehren als vielmehr kreativ zu erlernen. Als einer der in diesem Jahr tätigen Autorenpaten spreche ich da aus der unmittelbaren praktischen Erfahrung. Man kann die Aktivitäten dahingehend auf der Webseite www.anna-hood.de einsehen, neben Projektseiten aus Deutschland, Rumänien und dem Kosovo existiert dort auch u. a. die Ur-„Anna-Hood“ in vierzig Sprachen, was mir als beispielhaft für Völkerverständigung und die Gleichheit aller erscheint.

 

Ich möchte Sie bitten, sich in Ihrer Position und mehr noch angesichts der aktuellen Weltlage (die es sich gefallen läßt, wieder mit Vorurteilen und gezielten Irritationen zu arbeiten) dafür einzusetzen, daß Jürgen Jankofsky, der momentan darum kämpft, die Redaktion für sein eigenes Projekt zu behalten, da nicht weiter Unrecht getan wird. „Anna Hood“ wäre das Letzte, wofür jemand in Verruf zu geraten hat – es ist aufgeschriebene Sorge und Ermunterung  zur Menschenliebe. Und ich bitte Sie auch, sich im Interesse einer auch weiterhin reichen und agilen Szene sich für den Literaturfrieden einzusetzen. Nicht nur ich bin besorgt um sie und möchte gern, daß das Verdienstvolle, das in den letzten knapp zwanzig Jahren geleistet wurde, nicht einfach unter den Tisch gekehrt wird. Denn diese Gefahr besteht, und sie ist dem gegenüber, was geschafft und erreicht ist, völlig unangebracht.

 

Es geht dabei in meinen Augen auch um das kulturelle Selbstverständnis des Bundeslands, das als Teil der mitteldeutschen Kulturlandschaft von hoher Bedeutung ist und bis heute Impulse setzt.

 

 

 

 

 

Offener Brief von Prof. Dr. Paul Detlev Bartsch an den Kulturausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt vom 7.10.2018

 

Sehr geehrter, lieber Herr Lippmann,
ich wende mich heute an Sie in Sorge um die Debattenkultur in unserem Bundesland. Konkreter Anlass ist die Auseinandersetzung um den früheren langjährigen Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e. V., Herrn Jürgen Jankofsky, der auch als höchst produktiver Schriftsteller weit über die Grenzen des Landes hinaus Anerkennung genießt. Wie Sie sicher wissen, wurde Herrn Jankofsky durch den (seinerzeitigen) FBK-Vorstand aufgrund bis dato unbewiesener Behauptungen und Anschuldigungen gekündigt und zugleich seinem öffentlichen Ansehen in diffamierender Art und Weise geschadet, die juristisch fragwürdig und moralisch schlicht unerträglich ist. Insbesondere das auf einer außerordentlichen FBK-Mitgliederversammlung Anfang September gefällte Verdikt der (inzwischen zurückgetretenen) FBK-Landesvorsitzenden Dorothea Iser über das von Herrn Jankofsky kreierte literarische Szenario „Anna Hood“, das ihrer dort geäußerten Meinung nach in keine deutsche Schule gehöre, erscheint – gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Situation – unerträglich! Dazu kann und will ich nicht schweigen!
Ich hatte in meiner langjährigen dienstlichen Tätigkeit in verantwortlicher Funktion am pädagogischen Landesinstitut LISA die Freude, gemeinsam mit dem FBK (in Person von Herrn Jankofsky, der dieses Vorhaben seinerzeit initiiert hatte) und dem Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik (in Person von Frau Dr. Alexandra Ritter) seit 2007 eine jährlich erscheinende Handreichung für alle Schulen des Landes unter dem Titel „Lesefutter“ herauszugeben, die Positionen, Projekte und Publikationen zur Förderung der Lesekompetenz vorstellte.
Im „Lesefutter 2018“ wird durch den bundesweit anerkannten Deutschdidaktiker Prof. Dr. Michael Ritter (MLU Halle-Wittenberg) das im Mitteldeutschen Verlag 2017 erschienene Anna-Hood-Werk rezensiert (S. 88f) und ausdrücklich als „Möglichkeitsraum, der Handlungsoptionen eröffnet“, gelobt: „So entsteht hier ein interessantes und interkulturell herausforderndes Lehrstück über die Solidarität und die Kraft der Idee, die ihren Anfang nimmt“! Dass daraus inzwischen eine in höchstem Maße begrüßenswerte und internationale Kreise ziehende kulturpädagogische Aktion geworden ist, zeigt eindrucksvoll, welch Potenzial in diesem ästhetischen Szenario steckt. Dies in oben erwähnter Weise zu diffamieren grenzt an bildungspolitische Blindheit oder zeugt – was noch schlimmer wäre – von rechtspopulistischen Intentionen.
Dass neben dem Werk auch der Autor selbst in inakzeptabler Weise beschädigt wird, indem trotz eines schwebenden juristischen Verfahrens bezüglich der gegen Jankofsky erhobenen Vorwürfe eine öffentlichkeitswirksame Vorverurteilung seitens des FBK-Vorstandes erfolgte und der Grundsatz unseres demokratisch legitimierten Rechtssystems, bis zum gegenteiligen Nachweis die Unschuldsvermutung zu vertreten, offenbar bewusst verletzt wurde und wird, sei ergänzend erwähnt. Der Schaden, den die Literatur des Landes und die Literatur- und Leseförderung im Besonderen dadurch erleiden, ist noch gar nicht zu ermessen.
Ich bitte Sie, lieber Herr Lippmann, in dieser Angelegenheit mit den Mitteln Ihres Mandates sowie durch das Wirken des von Ihnen geleiteten Landtagsausschusses wirksam zu werden, um den bereits eingetretenen Schaden zu begrenzen und weiteren zu vermeiden.

 

 

 

 

Offener Brief von Prof. Dr. Jan De Piere (Belgien) an den Kulturausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt vom 5. Oktober 2018

 

Geehrter Herr Lippmann,

 

mir ist zu Ohren gekommen, dass der Schriftsteller Jürgen Jankofsky unberechtigterweise in Verruf geraten ist und das  ihm als Direktor des Bödeker-Kreises Sachsen-Anhalt gekündigt wurde. Ich kenne Herrn Jankofsky seit schon mehr als zwanzig Jahren als zuverlässigen und engagierten Schriftsteller, der bemüht ist Menschen, vor allem Jugendliche verschiedenster Nationen und Kulturen, zusammenzubringen. Das ist auch das Ziel seines Anna-Hood-Projektes, an dem ich selbst sehr gerne mitgearbeitet habe. Ich habe den Text ins Niederländische und ins Französische übersetzt, meine jüngste Tochter ins Polnische. Wir haben über Bekannte meiner Tochter noch mehr internationale Kontakte gefunden, die das Gamma der Sprachen, in die Anna Hood übersetzt wird, noch ausgedehnt haben. Am 3. Oktober 2017 wurde das Buch im Kulturzentrum von Strombeek in dreizehn Sprachen vor einem internationalen Publikum präsentiert. Mit großem Erfolg - der Saal war gedrängt voll. Nach der Präsentation des Buches hat sich Herr Jankofsky vor das Publikum gestellt und hat Fragen beantwortet. Es kam zu einem lebendigen Gespräch über die Themen des Buches. Deswegen kann ich die Behauptung von Dorothea Iser nicht verstehen, Anna Hood sollte überhaupt keinen Platz an deutschen Grundschulen haben.

 

Ich bin selber Schriftsteller in beiden Sprachen, Niederländisch und Deutsch, Literaturforscher und Prof.em. Deutsch in Antwerpen. Seit vielen Jahren arbeite ich mit Herrn Jankofsky zusammen, und diese Zusammenarbeit ist immer fruchtbar gewesen. Ich protestiere gegen die Rufmordkampagne gegen diesen schönen Menschen, der es immer gut meint und ein wichtiger Botschafter der deutschen Kultur ist. Was jetzt passiert, schadet nicht nur dem Ruf dieses Schriftstellers, sondern auch dem des Landes und des Bödeker-Kreises. 

 

 

 

 

 

Offener Brief an den Kulturausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt von Heinrich Peuckmann (Kamen) vom 2. Oktober 2018

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Aus der Ferne, aber als Mitglied des Friedrich-Bödecker-Kreises Sachsen-Anhalt, habe ich von dem unseligen Streit zwischen dem Vorstand des FBK und Jürgen Jankofsky erfahren, bei dem es ausgerechnet um das sehr schöne Buch „Anna Hood“ geht, das wunderbar geeignet ist für den Einsatz an Schulen, da es der Völkerverständigung dient. Es weckt Verständnis für Kinder mit anderer kultureller Herkunft, es ist sehr lesefreundlich und stößt ja auch nachweislich auf das Interesse der Kinder. Als ehemaliger Lehrer kann ich das, glaube ich, beurteilen, deshalb habe ich das Buch auch gerne und positiv rezensiert.

 

Es ist mir unbegreiflich, wie aus einer Bagatelle, womöglich auch nur aus einem vagen Verdacht heraus, Jürgen Jankofsky entlassen werden konnte, wie vom ehemaligen Vorstand dieses schöne Buchprojekt mies geredet werden kann, wie man überhaupt eine solche Sache eskalieren lassen kann, die eines schlichten klärenden Gesprächs an der Spitze des FBK Sachsen-Anhalt bedurft hätte. Missverständnisse hätten leicht ausgeräumt werden können, Jürgen Jankofsky war dazu ja auch bereit. Stattdessen ein unglaublicher Schaden, der mir Sorge bereitet um die weitere Arbeit des FBK. Sie verteilen die Gelder für diese wichtige Arbeit,  gerade wegen der tollen Aktivitäten des FBK Sachsen-Anhalt bin ich, der ich in NW wohne, als Autor dort Mitglied geworden, um auf diese Weise die vorbildliche Arbeit zu unterstützen. Was wird nun mit diesen Geldern geschehen, wie soll die Arbeit fortgesetzt werden? Vor allem, können das Leute tun, die in diesem Streit unglaublich dilettantisch gehandelt haben? Bei Ihren Entscheidungen wünsche ich Ihnen eine glückliche Hand. Es wäre gut, wenn wieder das Niveau der Arbeit des FBK Sachsen-Anhalt wie unter Mithilfe von Jürgen Jankofsky erreicht würde. Aber ob das möglich sein wird, daran zweifle ich sehr!

 

 

 

 

 

 

 

 

Öffentliche Austrittserklärung von Thomas Rackwitz vom 7.9.2018

 

Werter Vorstand des Friedrich-Bödecker-Kreises,

 hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung aus dem Friedrich-Bödecker-Kreis e.V. in Sachsen-Anhalt (FBK) aus.

 

Die Mitgliederversammlung am 5.9.2018 in Magdeburg war m. E. eine Art Schauprozess. Janko war in Absprache mit seinem Anwalt nicht anwesend. Das war der Grund für sein Fernbleiben. Nichts anderes. Seine Abwesenheit wurde hingegen höhnisch belächelt.

 

Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern des FBK habe ich stets versucht, mir beide Seiten anzuhören und mich nicht einlullen zu lassen. In den letzten Wochen habe ich so ziemlich jede Stimme aus der zunächst sehr einseitigen Presse vernommen. Da war von „schwerwiegenden Vorkommnissen des Geschäftsführers gegenüber unserer langjährigen Referentin“ die Rede (also hat sich der Vorstand ja doch in der Presse geäußert, obwohl auf der MV Gegenteiliges behauptet wurde; Kai Agthe wird sich ja kaum selbst zitiert haben), was einige Leute, die sogar mich darauf ansprachen, als sexuelle Belästigung deuteten. Zur Erinnerung: Es bestand jederzeit die Möglichkeit, diese Formulierung seitens des Vorstands zu entschärfen. Stattdessen mündete das Ganze in neuen Anschuldigungen. Obige Formulierung ist weiterhin online einsehbar und wurde von der MZ nicht gelöscht.

Im neuesten Volkstimme-Artikel scheint sich der Wind der Presse ein wenig gedreht zu haben. Plötzlich werden in der Presse beide Seiten vernommen, da ist auch „vom Clan, der sich um die ehemalige Vorsitzende Dorothea Iser zusammengefunden habe“ die Rede. Und genau dieser „Clan“ [keine Ahnung, wer diesen Ausdruck gebraucht hat] war größtenteils in Magdeburg anwesend. Machen wir uns nichts vor. Die Spaltung ist da. Es bringt nichts, sie wegzudiskutieren. Ich hatte bei der MV in MD eher den Eindruck, man wolle diese gesamte Angelegenheit unter den Teppich kehren, um weitermachen zu können, zumal das Urteil längst verhängt worden war. Von der von Frau Iser antizipierten Aufteilung von Literaturförderung/Leseförderung würden mehrere Vereine profitieren. Da sie in diesem Zusammenhang von „wir“ sprach, liegt die Vermutung nahe, dass sie weiterhin die Fäden im Hintergrund zieht. Einige FBK-Mitglieder, die gleichzeitig andere Vereine vertreten, fanden diese Idee entsprechend gut und störten sich beispielsweise entsprechend am „Personenkult“ um Janko. Ich hingegen finde diese Idee fahrlässig. Wenn ich mir anschaue, was die anderen Literaturvereine des Landes in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben und dies mit dem FBK vergleiche, ahne ich, wohin die Reise geht. Man sehe sich nur mal die Website des Förderkreises der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt e.V. an. Diese sieht aus wie aus den tiefsten 90er Jahren.

 

Zu den eigentlichen Kernproblemen hat sich niemand geäußert, also insbesondere zur rechtlichen Situation: Wer vertritt beispielsweise den FBK in dieser Angelegenheit? Das Arbeitsklima lässt sich schwerlich von außen beurteilen. Da nützen auch einzelne E-Mails wenig. Zur Wahrheit gehören immer zwei Seiten. In der MV wurde nur eine Seite dargelegt. Das Buch „Anna Hood“ ist im MDV erschienen, ohne Hinweis auf den FBK. Die Vorgänger von „Anna Hood“ erschienen im Dorise-Verlag. Auch hier (ich hab 2 Exemplare zu Hause) gibt es keinen Hinweis auf den FBK! Ich kann es auch nicht nachvollziehen, warum es Frau Iser nicht verstanden hat, dass ein Buch in mehrere Sprachen übersetzt und dann an deutschen Grundschulen vorgestellt wird. Es ist doch naheliegend. Hier geht es um den offiziell in der Politik lancierten interkulturellen Austausch. Es gibt viele „Problemschulen“ mit einem erhöhten Migrationsanteil. Diese Kinder wiederum können von diesem Angebot durchaus profitieren, wenn sie „Anna Hood“ sowohl in ihrer Mutter- als auch in ihrer Zweitsprache lesen können. Zudem weckt das Buch eine Neugier der Kinder auf andere Sprachen.

 

Um es noch einmal zu verdeutlichen, weshalb ich austrete. Es sollte immer die Unschuldsvermutung gelten. Diese wurde in diesem Fall mit Füßen getreten. Janko wurde zuerst die Weisungsbefugnis entzogen, bevor sich der Vorstand überhaupt ein Bild machen konnte. Passenderweise war Janko am 27.6. zur Vorstandssitzung nicht einmal anwesend und konnte folglich auch nicht angehört werden. Ich trete auch aus, weil ich, so die Spaltung denn kommen sollte, keine Daseinsberechtigung für mich mehr in diesem Verein sehe, da ich eher in den Bereich „Literaturförderung“ falle.

 

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Rackwitz

 

 

 

Für die öffentliche Diskussion freigegebene Mail von Leander Sukov vom 9.9.2018

 

 

Lieber Jürgen,

 

die ganz Sache ist eine Schweinerei. Meiner Meinung nach richtet sie sich aber weniger gegen Dich als Jürgen, sondern gegen einen störenden Außenstehenden. Auf der Grundlage Deiner Chronologie ergibt sich doch eindeutig, dass da der Verdacht, da könne etwas im Busche sitzen, nicht von der Hand zu weisen ist:

 

>> Im Zuge meiner Planungen für das Jahr 2019 hatte ich U.E. um 8.02 Uhr per Mail aufge- fordert: „Bis zum 25.6. erbitte ich um Erarbeitung einer Übersicht, wie viel Geld in den letz- ten 10 Jahren vom FBK an Verlage floss (außer oda).“ Um 10.45 Uhr mailte D.I.:

 

  „Leider hat sich die Situation nach unserem Gespräch verschlechtert. Termingebundene Verwendungsnachweise für Haushalt und Projekte sind von der Geschäftsstelle bis Mo- natsende zu erbringen. Damit steht und fällt die Arbeit des Friedrich-Bödecker-Kreises.

 

Diverse Statistiken zu erstellen, ist kurzfristig nicht möglich, ohne den Arbeitsablauf massiv zu behindern. Bis zur Klärung im Vorstand entziehe ich hiermit ab sofort dem Geschäfts- führer die Weisungsberechtigung.“

 

  Auch nach dem Gespräch am 11. Juni hatte ich nicht das Gefühl, dass es prinzipiell um meine Tätigkeit als Geschäftsführer ginge. Meine Anfrage (für Überlegungen zu Projektplanungen), meine ganz normale, formale Anfrage an U.E., mir diese Aufstellung zu liefern, muss für D.I. offenbar so bedrohlich gewesen sein, dass nun sogar plötzlich meine Abberufung ins Spiel kam.

 

  Ich kann dies nur mutmaßen, aber es ist wohl nur zu verstehen, wenn man weiß, dass die Vorsitzende D.I. im Jahr 2003 den DORISE-Verlag gründete und betrieb, Verlagsleitung und Verlag 2009/2010 zwar offiziell nach Erfurt abgab, auf der Homepage des Verlages aber aktuell (Ende Juli 2018) zu lesen steht: „In Burg befindet sich weiterhin das Lektorat des Verlages, geleitet von Dorothea Iser, die sich auch um die Autorenbetreuung kümmert.“ Und auch dies: „Begleitung auf dem Weg von der Idee zum eigenen Buch … Beratung – Betreuung … – Lesungen – Leseförderung“.???

 

  Auf der Vereinshomepage www.fbk-lsa.de ist unter „Bücher“ eine pdf zu finden, in der alle Publikationen des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt seit seiner Gründung im Jahr 1990 zu finden sind. Seit 2003 gabes 117 Veröffentlichungen (Stand Ende Juli 2018) – von denen 45 im Dorise-Verlag erschienen…<<

 

Meiner Meinung nach sollte in der Tat die Staatsanwaltschaft ermitteln. Denn zumindest der Anfangsverdacht sich am FBK zu bereichern, ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings trifft er nicht Dich sondern den DI-Clan!

Fraglich ist doch auch, jedenfalls erscheint mir das so, ob Du und alle Vorstandsmitglieder alle Zuwendungsbescheide aller Institutionen kennen und ob alle Zuwendungen auch auf Konten des FBK gegangen sind. Insbesondere die Aufhebung Deiner Weisungsbefugnis lässt mich das fragen.

Ich habe stark das Gefühl, dass hier vertuscht werden soll, was auch immer da zu vertuschen sei, und dass Du ein Störfaktor bei dieser Vertuschung bist.

Meine Solidarität gilt Dir.

Herzliche Grüße
Leander

 

 

 

 

DOKUMENTE JULI/AUGUST 2018

 

Erklärung vom 11.07.2018


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Jürgen Jankofsky war von 2000 bis 2018 Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e.V. In diesen Jahren entwickelte er den Landesverband zu einem der führenden in der Bundesrepublik Deutschland, der dabei nicht nur die ureigene Arbeit des Friedrich-Bödecker-Kreises, nämlich die Leseförderung und die Begegnung der Schulju- gend mit heutigen Autoren in Sachsen-Anhalt im Blick hatte. Durch die Landesregierung wurde der Verband mit der Förderung des literarischen Lebens im Lande betraut und auch institutionell gefördert.

Jürgen Jankofsky hat diese Herausforderungen zu seiner Sache gemacht, die Schriftstel- ler in Sachsen-Anhalt in diese Projekte integriert und auf diese Weise zahlreiche Beispiele für Literaturentwicklung geschaffen, die heute Ausstrahlung auf das gesamte Bundesge- biet haben. Dazu gehören Schreibwettbewerbe der Schuljugend, Schreibwerkstätten junger Autoren, Schulschreiberprogramme mit in diesen Projekten entstandenen Büchern, aber auch Lesereihen wie die Landesliteraturtage oder die Interlese. Im Auftrag des Landes schuf er Kontakte zu den Autoren Armeniens, Bulgariens ebenso, wie er Kontakte zu internationalen Autoren für die Literaturzeitschrift Sachsen-Anhalts, „Ort der Augen“ (oda) pflegte. Gemeinsam mit dem LISA entwickelte er das LESEFUTTER zu einer seit zwölf Jahren regelmäßig erscheinenden Lektüreempfehlung für Lehrkräfte, zudem engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender des Literaturbeirates des Kultusministeriums für die Vergabe von Fördermitteln sowie des Klopstock-Förderpreises.

Jürgen Jankofsky war 2. Vorsitzender des Bundesverbandes der Friedrich-Bödecker- Kreise und hat als solcher auch dazu beigetragen, dass andere Landesverbände gegründet oder erhalten wurden. Dass er auch als Schriftsteller persönliche Autorität besitzt, zeigt sich u.a. daran, dass er Schatzmeister des deutschen P.E.N. wurde. Es waren nicht zuletzt seine Fähigkeiten als Autor, die ihn zum Partner der Autoren im Lande werden ließen, die er aber auch immer wieder in seine Arbeit für den Friedrich-Bödecker-Kreis einfließen ließ.

 

Nun wurde er durch den Vorstand des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e.V. unter Einhaltung der Kündigungsfrist ohne Angabe von Gründen entlassen. Seine Aufga- ben als Geschäftsführer darf er nicht mehr wahrnehmen. Das wäre vielleicht noch nicht so ungewöhnlich. Es war aber keine einvernehmliche Lösung und stellt eine besondere Härte dar, weil Jürgen Jankofsky im Juni 2018 65 Jahre alt wurde und nach den bisherigen Ab- sprachen im Januar 2019 seine Funktion niedergelegt hätte und Rentner geworden wäre, ohne dabei, das hatte er angekündigt, seine ehrenamtlichen Aktivitäten einstellen zu wol- len. Partner des Landesverbandes im Land und außerhalb wurden über die Entscheidung informiert – ebenfalls ohne die Angabe von Gründen. Die Mitglieder des Landesverbandes wissen nichts, sie wurden nicht informiert. Es gibt deshalb eine erhebliche Verunsicherung, denn die Landesliteraturtage und die Interlese stehen vor der Tür, im September müssen die Anträge für das nächste Jahr gestellt werden und mit dem kommenden Schuljahr sind auch einige neu beginnende Schulschreiberprojekte verbunden, Aufgaben, die zwingend einen arbeitenden Geschäftsführer verlangen. Der Vorstand hat mitgeteilt, dass die Mit- glieder gemeinsam die Geschäftsführung übernehmen. Dies kann aber nur gelingen, wenn Jürgen Jankofsky diese Aufgaben übergeben kann und übergibt. Es besteht die Gefahr, dass der Verein Schaden nimmt.

 

Noch ehe eine Benennung der Vorwürfe, geschweige denn eine Klärung stattgefunden hat, wurden aber wichtige Partner des bisherigen Geschäftsführers in Kenntnis gesetzt, als da sind der Bundesvorstand des FBK, das P.E.N.-Zentrum Deutschland, die Landesre- gierung und das Landesverwaltungsamt, offenbar auch Medien, denn inzwischen erschienen erste Zeitungsartikel. Dieses Verfahren ist unserer Ansicht nach dem Charakters des Friedrich-Bödecker-Kreises als eines demokratischen Vereins, der „eine ganz neue Beziehung zur Sprache, zum Lesen und zur Literatur herstellen und die Lesefreude nachhaltig“ fördern will, nicht angemessen.

Wir wünschen, dass der Vorstand die Mitglieder umfassend informiert und in die Entscheidungsfindung einbezieht. Nur eine besonders schwere Verletzung der Pflichten eines Geschäftsführers rechtfertigt eine solche Behandlung unseres Autors, Mitstreiters und Partners Jürgen Jankofsky. Diese können wir uns nicht vorstellen.

 11. Juli 2018

 

Patrick K. Addai, Schriftsteller, Friedrich-Bödecker-Preisträger, (Linz, Österreich und Kumasi, Ghana)

Dogan Akhanli, Schriftsteller (Köln)

Salim Alafenisch, Schriftsteller (Heidelberg)

Prof. Dr. Angelika Arend, Literatur- und Sprachwissenschaftlerin, Schriftstellerin (Stahnsdorf und Victoria, Canada)

Ammar Awaniy, Schriftsteller (Magdeburg)

Dato Barbakadse, Schriftsteller und Mitglied des PEN Österreich (Tbilissi, Georgien)

Prof. Dr. Paul D. Bartsch, Literaturwissenschaftler und Autor (Halle)

Wilhelm Bartsch, Schriftsteller (Halle)

Dr. Pia Beckmann, Vorsitzende der bundesweiten Demokratie-Initiative pics4peace e.V. (Würzburg)

Prof. Dr. Henry Beissel, Anglist und Schriftsteller (Ottawa, Canada)

Susanne Berner, Grafikerin (Halle)

Franziska Beyer-Lallauret, Lyrikerin (Angers, Frankreich)

Matthias Biskupek, Schriftsteller (Rudolstadt)

Malte Blümke, Studiendirektor a.D. (Trier)

Nora Bossong, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland (Berlin)

Ralf Buschendorf, Journalist i.R. (Merseburg)

Gerda Dalipaj, Schriftstellerin (Quedlinburg)

Helga Daniel, Schriftstellerin (Mücheln)

Daniela Danz, Autorin und Kunsthistorikerin (Kranichfeld)

Steffen de Cassandro, Schriftsteller (Köthen)

Prof. Dr. Jan De Piere, Germanist und Autor (Essen, Belgien)

Markus Digwa, Poet (Wolfen)

Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjan, Leiterin des MESROP-Zentrums (Halle)

Dr. Thomas Eberlein, Autor und Verleger (Egeln)

Bettina Fügemann, Schriftstellerin (Ballenstedt)

Karen Galster, Schriftstellerin (Arendsee)

Peter Gehre, Maler (Spergau)

Stefan Gemmel, Schriftsteller, PEN-, VS- und FBK-Mitglied (Lehmen)

Dr. Mariana Gorcyca, Generalsekretärin PEN Romania (Sighisoara, Rumänien)

Peter Gosse, Schriftsteller, Mitgl. Sächs. Akademie der Künste (Leipzig)

Ralph Grüneberger, Mitglied des PEN Zentrums Deutschland, Vorsitzender der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (Leipzig)

Dr. Dietlind Hagenau, Bürgermeisterin der Stadt Leuna (Leuna) 

Adina Heidenreich, Schriftstellerin (Wolfen)

Gerda Herrmann für den Förderverein Kreatives Schreiben und Musik e.V. (Stuttgart)

Dr. Günter Hess, Germanist (Toronto, Canada)

Klaus W. Hoffmann, Schriftsteller und Musiker (Sandersdorf)

Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Mag.Art, prom. Turkologe/Vorstandsvorsitzender ICATAT e.V. (Magdeburg)

Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft, Andreas Porsche im Namen des Vorstandes(Löbejün)

Jeanette Jankofsky, Sozialpädagogin (Leuna)

Axel Kahrs, Schriftsteller (Lüchow)

Tanja Kinkel, Präsidiumsmitglied des PEN- Zentrums Deutschland (Bamberg)

Heidrun Kligge, Schriftstellerin (Dessau-Roßlau)

Claudia C. Krauße, PEN-Geschäftsführerin (Darmstadt)

Thomas Kunst, Lyriker (Mansfeld)

Alain Lance, Schriftsteller (Paris, Frankreich)

Heike Lichtenberg, Malerin (Halle)

Werner Makowski, Schriftsteller (Lutherstadt Eisleben)

Michael Marquardt, ehem. Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (Magdeburg)

Edward Militonyan, Schriftsteller, Präsident des armenischen Schriftstellerverbandes (Yerevan, Armenien)

Knut Mueller, Fotograf und Autor (Halle)

Hermine Navasardyan, Dichterin, Vorsitzende der Auslandsabteilung des armenischen Schriftstellerverbandes (Yerevan, Armenien)

Ralf Nestmeyer, Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Prison-Beauftragter (Nürnberg)

Frauke Otto, Buchkünstlerin (Halle)

Antje Penk, Schriftstellerin (Kemberg)

Dagmar Petrick, Schriftstellerin (Halle)

Heinrich Peuckmann, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland (Kamen)

Richard Pietraß, Schriftsteller (Berlin)

Dr. Ekkehard Pistrick, Musikwissenschaftler und Autor (Quedlinburg)

Roman Pliske, Verleger (Halle)

Dr. Ute Pott, Literaturwissenschaftlerin, Leiterin Gleimhaus (Halberstadt)

Konrad Potthoff, Schriftsteller (Halle)

Gunter Preuß, Schriftsteller (Schkeuditz)

Thomas Rackwitz, Schriftsteller (Blankenburg)

Marion Ranneberg, Bibliothekarin (Merseburg)

Wolfgang Rischer, Schriftsteller (Süpplingen)

Prof. Uli Rothfuss, Präsident der Europäischen Autorenvereinigung Die KOGGE (Stein)

Jutta Sauer, Koordinatorin des PEN-Freundes- und Förderkreises (Oldenburg)

Sylke Scheufler, Schriftstellerin (Kemberg)

André Schinkel, Schriftsteller, Lektor und Redakteur (Halle)

Kristina Schippling, Schriftstellerin und Regisseurin (Berlin)

Axel Schneider, Geschäftsführer der lkj Sachsen-Anhalt e.V. (Magdeburg)

Ludwig Schumann, Dipl.-Theologe, Schriftsteller (Zeppernick)

Dr. Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN Deutschland (München)

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Solms, Germanist (Halle)

Franziska Sperr, Vizepräsidentin des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Exile-Beauftragte (Berg)

Dr. Volker Stein, Stellv. Bürgermeister der Stadt Leuna (Leuna)

Imre Török, Schriftsteller, Stellv. Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Schriftsteller und Schriftstellerinen in Ver.di, PEN-Mitglied (Leutkirch)

Stevan Tontic, Schriftsteller und Übersetzer (Novi Sad, Serbien)

Christel Trausch, Schriftstellerin (Wegeleben)

Gabriele Urban, Museumspädagogin (Merseburg)

Klaus-Dieter Urban, Metallbildhauer (Merseburg)

Astrid Vehstedt, Schriftstellerin (Berlin)

Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland (Hamburg)

Prof. Dr. Axel Vieregg, Germanist (Palmerston, Neuseeland)

Caroline Rose-Marie Vongries, Journalistin, Autorin, Dozentin (Magdeburg)

Gabriele Wennemer, Konferenzdolmetscherin, Übersetzerin (Paris, Frankreich)

Nils Wiesner, Schriftsteller (Merseburg)

Peter Winzer, Schriftsteller (Halle)

Bernd Wolff, Schriftsteller (Blankenburg)

Wolfsmehl, Dramatiker (Gersthofen)

Annette Wunderlich, Kulturwissenschaftlerin (Halle)

Dr. Harry Ziethen, Verleger (Magdeburg)


Offener Brief von Ludwig Schumann

Vorstand des Friedrich Bödecker Kreises

Thiemstraße 7

39104 Magdeburg

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 ich las in Ihren Begründungen für die Kündigung des Geschäftsführers des FBK, Herrn Jürgen Jankofsky, zu meinem Erstaunen, dass Sie ihm vorwerfen, dass er ein eigenes Buch auf Kosten des FBK, zumindest teilweise, fertigen wolle.

 

Anlässlich meiner Einführung als Schulschreiber in der Grundschule Loburg 2017 erzählte Jürgen Jankofsky den Schulkindern von diesem Projekt des Friedrich-Bödecker-Kreises – es geht ja nicht nur um ein Buch, sondern auch um die Internetpräsenz von „Anna Hood“. Er stellte es vor als ein Projekt, mit dem der Bödecker-Kreis sowohl Schüler im eigenen Land als auch bundesweit sowie weltweit in dieses Projekt einbinden möchte. Ich habe das als sehr schlüssig empfunden und dachte damals, dass es doch sehr gut sei, wenn im Getriebe eines solchen Vereins eben nicht nur ein „Geschäftsführer“ steckte, sondern zugleich ein Autor, der auf solche großartigen Ideen kommt und diese auch zum Wohl des FBK durchsetzt. Das machte mich damals  stolz, zumal zu erleben war, wie interessiert die Kinder Jankofsky zuhörten. Natürlich war zur Einführung auch der Schulleiter, die Presse, die Klassenlehrerin da.

 

Nun entnehme ich den Klagen gegenüber Jankofsky, dass er da ein eigenes Projekt durchziehe. Können Sie mir bitte erklären, wie diese Sichtweise mit dem zusammengeht, was ich bei der Einführung zum Schulschreiber erlebte?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ludwig Schumann


Offener Brief von Thomas Rackwitz

 

Sehr geehrte Frau Iser,

in der letzten Woche schrieb Jürgen Jankofsky in einer Rund-E-Mail, dass er ohne Angabe von Gründen entlassen worden sei, und das kurz vor seiner Rente! Das hatte gesessen, für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Heute lese ich in der MZ einen Artikel von Kai Agthe, in dem von „schwerwiegenden Vorkommnissen“ die Rede ist, ohne diese „Vorkommnisse“ auch nur im Ansatz zu erläutern. Ich muss zugeben, ich weiß nichts von diesen „Vorkommnissen“, und offenbar weiß auch Kai Agthe nichts Konkretes, zitiert aber „Es gab schwerwiegende Vorkommnisse des Geschäftsführers gegenüber unserer langjährigen Referentin […]“. Das ist wunderbar schwammig. Es diskreditiert zum einen Jürgen Jankofsky (auf ewig, da solche Nachrichten in den Suchmaschinen nicht wieder verschwinden), zum anderen schafft es dem Vorstand (zumindest nach außen hin) ein Schlupfloch, falls das Ganze doch nach hinten losgeht.

Meines Erachtens ist diese Gesamtsituation, insbesondere das Verhalten des Vorstands des Friedrich-Bödecker-Kreises, erbärmlich, denn anstatt „weiteren Schaden abzuwenden“, liegt nun ein Totalschaden vor. Die einzelnen Mitglieder des Vorstandes sollten sich schämen. Über die Bedeutung von Jürgen Jankofsky für das Bundesland Sachsen-Anhalt brauchen wir nicht reden. Er hätte das Bundesverdienstkreuz verdient und erhält stattdessen eine medienwirksame und gleichermaßen rufschädigende Entlassung, sodass mich hier der Verdacht beschleicht, dass hier wohl ein konspiratives Motiv zugrunde lag. Jankofsky zählt zu jenen, die den Mund aufmachen. Vielleicht war er zu unbequem? Er war seiner Aussage nach gewillt, den FBK weiterhin aufbauend zu unterstützen. Vielleicht sollte sein Abschied forciert werden, da er dem einen oder anderen (zu lange) im Wege stand. Vielleicht war er auch einfach „zu teuer“ oder hatte zu viele eigene Ideen. Alles Mutmaßungen … Im Übrigen ist es nicht minder Verwerflich, zuerst andere Verbände und die Presse zu informieren, bevor die eigenen Mitglieder des FBK informiert werden, sofern die Mitglieder überhaupt eine gesonderte Information erhalten. Was ist das für ein Vorstand, der maximal intransparent arbeitet und gleichermaßen Lebenswerke vernichtet?

Ich sehe schwarz für die Literatur des Landes Sachsen-Anhalt ohne Jürgen Jankofsky und bedauere sein Ausscheiden sehr. Die Konsequenzen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die Schreibwerkstätten mit Wilhelm Bartsch wird es ab 2019 nicht mehr geben. Die Nachwuchsschriftstellertreffen in Sonneck oder ähnlichen Einrichtungen gehören der Vergangenheit an (ein herber Verlust!). Ort der Augen wird an Bedeutung verlieren und wieder zu einem Provinzblatt verkommen. Insgesamt hat der Vorstand des Friedrich-Bödecker-Kreises des Landes Sachsen-Anhalt weder Jürgen Jankofsky noch der Literatur im Land Sachsen-Anhalt einen Gefallen getan.

Mit freundlichen Grüßen

 

Thomas Rackwitz


Offener Brief von Wilhelm Bartsch

An die Mitglieder des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt a.D.

 

Werte Mitglieder!

 

Wie kommt die Gans aufs Dach, wo sonst die Taube hingehört? Was macht der Furz auf der Gardinenstange? Das sind zwei von fünf Fragen eines lesenden Arbeiters.

Heute morgen will ich Euch einmal in alphabetischer Reihenfolge die Vorständler nennen, die nach quasi einem Putsch machen, was sie - oder auch andere - wollen, mit Sicherheit aber nicht die Mehrheit unserer Mitglieder: Sie heißen Dirk Bierbaß, Juliane Blech, Dorothea Iser, Diana Kokot und Marco Organo. Diese Namen sind nämlich, außer dem ihrer Großen Vorsitzenden, weder unter den offiziellen Schreiben und im unsäglichen „MZ“-Artikel noch auf der Webside des FBK zu finden. Anscheinend leben die Mitglieder dieses Vereins nun schon am Fuß von Kafkas Schloß. Ich fand diese Namen zuerst auf dem Kündigungsschreiben für Jürgen Jankofsky, das das Kunststück fertigbringt, zwei klar ersichtlich ganz verschiedene Fassungen davon mit verschiedenen Unterschriften als eine einzige erscheinen zu lassen. Da wird sich der Arbeitsrichter, beziehungsweise die Strafrechtlerin aber freuen, weil dies aller Wahrscheinlichkeit nach null Arbeit machen wird.

Weiterhin haben wir nun eigentlich zwei Kündigungen an Jürgen Jankofsky vor uns. Die in der Zeitung ausgeschmierte nennt mehrmals „Vorkommnisse“ gegenüber einer Angestellten. Dazu gibt es dort das Foto eines bärtigen Mannes, des vermutlich sachsen-anhaltischen Weinsteins Jankofsky. Ich bin jedenfalls von verschiedener Seite durchweg genau daraufhin angesprochen worden. Da kann ich nur sagen: Me too! Dies allerdings auf der Seite von Jürgen Jankofsky. Alters-(und Verdienst)diskriminierung, wie geschehen, verschwindet natürlich auch gleich hinter einem solchen Rauchvorhang. Die BILD jedenfalls hätte da noch gegenrecherchiert und wenigstens noch einen tragbaren Fakt mit eingefügt. Da sehe ich doch glatt in baldigster Zukunft die schönsten Schmerzensgelder winken. Nun warte ich auf eine dritte Kündigung von Jürgen Jankofsky, dieses Mal aus Gründen seiner Unfähigkeit. O ja, wenn ich jemanden so abgrundtief nicht leiden kann, würde ich ihn auch am liebsten gleich drei Mal hintereinander rausschmeißen.

Ich selber bin dieser Tage natürlich nicht untätig geblieben und hatte es, so glaubte ich, sogar geschafft, eines der vier Gössel unter der Mutti hervorzuziehen und zu einer auch schriftlich geäußerten Umkehr zu bewegen, aber es ist wieder in die so herrlich anonyme Dunkelheit seiner mütterlichen Kloakenwärme zurückgeschlüpft, nachdem es hier in Halle zumindest eines unserer Mitglieder und Vorständler, sicherlich aber gleich mehrere davon getroffen hat, wie mir auch ein gewisser Wechsel von e-Mails und Anrufen deutlich zeigt.

Es ist nämlich so, werte Mitglieder, dass wir uns nicht nur mit dem Vorstand zu beschäftigen haben, sondern mit einem seit Jahren tief unter uns schwärenden Myzel tuschelnder Feigheit und von scheeläugigen Begehrlichkeiten, das sich in seiner provinziellen Dummheit von dergleichem, wie jetzt passiert, wohl etwas erhofft hat. Nun ja, man wird es, wie in der Fabel, schon noch sehen: der Rabe, wenn er, vom Fuchs überredet, zu singen anfängt, verliert dabei auch noch sein dürftiges Stücklein Stänkerkäse.

Die fünf Unterschriften jedenfalls zeigen mir, dass hier längst nicht mehr der immer noch schwelende Streit zwischen Magdeburgern und Hallensern wieder aufgebrochen ist, sondern dass der Krebs nun überall wuchert, mehrheitlich also nun auch im Süden. Es ist ein neuzeitlicher Krebs, carcinomus narcissus. Der allerdings ist, mit Luther gesprochen, noch schwerer einzufangen als ein „fortz ynn der reussen“.

Es wird interessant sein, vor allem für die Geldgeber im Parlament und in den Ministerien, zu beobachten, welche Nachlassverwalter, Abdecker und Wrackverwerter jetzt auftauchen werden und mit welchen Geräten und Optionen.

Ich jedenfalls weiss jetzt gar nicht mehr so recht, ob ich aus unserem Verein überhaupt noch austreten soll. Wegen einer bereits gestorbenen Frau kann schließlich auch keiner mehr seine Scheidung einreichen.

Die einzige Aufgabe, die einer Mitgliederversammlung des FBK vielleicht noch bliebe, wäre, in meinen Augen jedenfalls, die der Abwicklung des Vereins. Da könnte man von Sachsen lernen. Dort geschah dergleichen, aber schon nach einer Reihe von Jahren konnte an eine Neugründung gedacht werden. Das war dann aber wohl eher alles andere als eine Wiederbelebungsmaßnahme. Ich bin darüber hinaus aber auch noch sehr skeptisch, was die jetzige Bundesführung des FBK betrifft. Dies aber überschreitet bereits meine Grenzen des für mich noch Wissenswerten in diesen Angelegenheiten.

 

Nun zum Eigentlichen: Ludwig Schumann und Harry Ziethen haben in ihrem luziden Schreiben bereits alles gesagt, was zu sagen ist. Ganz vorzüglich finde ich auch die hochemotionale, aber dennoch ganz klar orientierte Wortmeldung von Thomas Rackwitz.

Meine Vorschläge an Euch, werte Mitglieder, lauten:

Erklärt euch zuallererst solidarisch mit unserem Jürgen Jankofsky, welche mit Sicherheit korrigierbaren Fehler ihm auch immer unterlaufen sein mögen - wenn überhaupt! Seltsamerweise wären diese dann erst nach achtzehn langen Jahren seiner so überaus erfolgreichen und doch wohl weitgehend störungsfreien Tätigkeit passiert. So etwas aber wollen meine alten, aber jugendlich wachen Augen nicht so recht glauben. Natürlich habe auch ich von so einigen fiesen Fallstricken im kulturellen Finanzierungsapparat Näheres gehört. Sollte ein solcher gegebenenfalls und wider Erwarten spitzfindiges Unrecht bei Jürgen Jankofsky nachweisen können, so würde ich meine kulturellen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt, sicher zur Freude von Vielen auch unter Euch, gen Null fahren und mir dann vielleicht noch einen Vers von Günter Eich an die Wand nageln, nämlich: „Ich ziehe vor,/ Salatblätter auf ein/ Sandwich zu legen und/Unrecht zu behalten.“

Außerdem: Da sich der Vorstand nun einmal derart selbstermächtigt hat, soll er nun auch arbeiten, bis ihm der Schweiß aus allen Poren rinnt wie auch bei den Leuten auf anderen Schiffsfriedhöfen. Wir, die Mitglieder, sollten diesen Vorstand - jetzt, sofort! -  außerdem noch mit dreierlei beauftragen:

Erstens sollte er die „MZ“ schleunigst dazu bringen, das Schreiben von Ludwig Schumann und Harry Ziethen wortwörtlich und als Gegendarstellung auf derselben Kulturseite zu bringen. Dazu sollten die fünf Klarnamen der Vorständler dort genannt werden, aber bitte mit Fotos! Thomas Rackwitz aber würde sicherlich nicht nur ich bitten, seine Wortmeldung als unabweisbaren Leserbrief ebenfalls in der „MZ“ unterzubringen.

Zweitens sollten sich bis zur Mitgliederversammlung die Vorständler dazu durchringen, von ihren Posten zurückzutreten. Sie sollten aber drittens auch noch erwägen, aus dem gesamtem FBK auszutreten. Es wäre anderenfalls nämlich zu erwägen, ob die Mitglieder nicht ein Ausschlußverfahren anstreben sollten.

Einen letzten Satz á la Jonathan Swift will ich mir nun auch nicht länger verkneifen. Er bezieht sich darauf, was Jürgen Jankofsky laut dem Vorstandsschreiben an uns doch so alles dem FBK zu verdanken habe: Ich bedanke mich für meine etwa fünfzig schon entstandenen Werke ganz untertänig beim so renommierten Dorothea Iser Verlag in (wo war das noch mal gleich?).

 

Halle, den 11. Juli 2018

 

 

Wilhelm Bartsch


Offener Brief von Andre Schinkel

Liebe Freunde und Kollegen, ich wurde nun wiederholt auf die Situation im Land angesprochen und wurde gebeten, mich zu positionieren – ich weiß tatsächlich im Moment nicht, wie es mit ODA weitergeht, ich bin da als einfaches Noch-Mitglied des FBK-Sachsen-Anhalt tatsächlich überfragt. Ich gehe davon aus, daß die Tage der Zeitschrift gezählt sind.

Soweit ich weiß, ist der Vorstand im Urlaub, sodaß dem auch in mir kochenden Wunsch, daß es eine sofortige Aufklärung der Dinge gibt, nicht entsprochen werden wird. Ich halte die Kündigung von Jürgen Jankofsky für den absoluten Super-GAU in der Literatur des Landes – es wird nichts mehr so sein, wie es war. Vom Procedere her deutet alles auf eine von langer Hand geplante Intrige, die mit Bedacht gesetzten kompromittierenden Sätze und der Umstand, daß diverse Instanzen lange vor den FBK-Mitgliedern informiert wurden, deuten darauf. Sollte sich das bewahrheiten, ist das das Ende des Vereins in der Form, und mit Recht.

Ich glaube wie einige Kollegen und Freunde, daß es in naher Zukunft keinen arbeitsfähigen FBK mehr im Land geben wird. Mit meiner Unterschrift unter den Brief von Ludwig Schumann und Harry Ziethen habe ich mich gemeinsam mit vielen Kollegen aus mehreren Ländern solidarisch erklärt und fordere Aufklärung – vor allem die einfachen Mitglieder des FBK sehe ich bewußt im Dunkel gelassen. Ich erwarte, daß die Sache sofort aufgeklärt wird. Dafür ist eine schnelle Mitgliederversammlung, die bei diesem gravierenden Einschnitt vonnöten ist, einzuberufen, im August und im September ist es dafür eigentlich schon viel zu spät. Ich habe mir mit dieser Forderung allerdings bereits die Zunge verbrannt, so daß ich weiß, daß das gar nicht gewünscht ist.

Was auch immer vorgefallen sein soll, bisher sind nur Spuren ausgelegt, die dazu dienen, dem Ansehen Jürgen Jankofskys zu schaden. Das ist unredlich. Eigentlich ist es so, daß im Herbst die 100. Ausgabe der ODA erscheinen sollte. Dazu müßte sie in Kürze in den Druck. Da es nun keinen Herausgeber mehr gibt und ich nicht absehen kann, wie sich das entwickelt, stelle ich die Arbeit als Chefredakteur bis auf Weiteres ruhend. Ich befürchte, daß das Heft nicht (rechtzeitig) erscheinen kann unter solchen Umständen.

Schon gar nicht wüßte ich, was in dem Editorial einer solchen Ausgabe zu schreiben wäre, wenn man ein ehrlicher Typ ist und bleiben will. An sich sollte es eine Ausgabe sein, die die Literatur feiert und daß es ODA gelungen ist, durchzuhalten und zu wachsen. Was eben auch und in großem Maße das Verdienst von Janko, der seit 2005 als Herausgeber fungierte, ist.

Mein Vertrauen in das, was die Literaturförderung und -öffentlichkeit in Sachsen-Anhalt war, ist erschüttert angesichts der Entwicklungen und der Geheimhaltung, mit der diese moderiert oder eben nicht moderiert werden. Es gibt im Moment leider auch keine objektive Berichterstattung seitens der Presse, sodaß diese existenzielle Situation in der Literatur des Landes letztlich dazu dient, das Sommerloch in diesem heißen Monat zu füllen. Festzustellen ist aber, daß alle Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte nun auf den Prüfstand kommen und mit ihnen die Arbeit auch in der Kinder- und Jugendförderung wie auch die Gewährleistung von Landesaufgaben, erfolgreiche Unterfangen wie die Interlese, Landesliteraturtage, Sonneck und ODA darunter.

Ich bin mit Jürgen Jankofsky seit über zwanzig Jahren befreundet, ich habe mit ihm stets vertrauensvoll gearbeitet und weiß von der Wertschätzung für seine Arbeit von Arendsee bis Jerewan, von Zeitz bis Stepanakerd. Sie ist auch absolut angebracht, ich hege sie selbst. Ich habe seine Zuverlässigkeit und uneigennützige Obsession, die Literatur des Landes nach vorne zu bringen, stets geschätzt und schätze sie noch. Was er für Sachsen-Anhalt und seit einer Reihe von Jahren auch überregional und international leistet, ist von einem unschätzbaren Wert. Andere bekommen für Geringeres einen Orden. Ich kann, will und werde nicht glauben, daß sein Ansehen und seine Leistungen plötzlich so anzweifelbar und wertlos sein sollen. Es erscheint mir völlig absurd.

In Fall der Fälle war es mir eine Ehre, für ODA im Einsatz zu sein. Ohne eine Klärung der Dinge wird es das nicht mehr sein.

André Schinkel

 

19.7.2018


Offener Brief von Ralph Grüneberger

 

11.7.18
Sehr geehrte Kollegin Dorothea Iser, sehr geehrte Damen und Herren des Vorstandes,
 
mir sind die Gründe nicht bekannt, die den Vorstand und Sie als Vorsitzende
zur fristgemäßen Kündigung des Geschäftsführers des FBK in Sachsen-Anhalt bewogen haben,
und das im Grunde ohne Not - ein halbes Jahr vor der ohnehin geplanten Beendigung
von dessen Tätigkeit.
 
Allerdings erscheint mir das Verfahren fragwürdig und in der Konsequenz ehrabschneidend
für den langjährigen Geschäftsführer Jürgen Jankofsky zu sein. Immerhin war er es,
der den Landesverband des Friedrich-Bödecker-Kreises über Sachsen-Anhalt hinaus Geltung
zu verschaffen vermochte und in seiner Funktion das literarische Leben in Ihrem Bundesland beflügelt hat.
 
Ich habe Jürgen Jankofskys Fähigkeit der Vermittlung bei der gemeinsamen Redaktion der Ausgabe Halle-Leipzig (Nr. 1/2016) erlebt. Ohne ihn und seinen Einsatz für die Realisierung gäbe es ein solch seltenes Werk nicht, das die Wahrnehmung der einen Stadt durch Autoren der anderen in eine literarische Dimension verwandelt. Und nach Auskunft des dr.-ziethen-verlages galt diese oda-Ausgabe als eine der nachgefragtesten, und bei "Halle liest mit" wurde sie während der Leipziger Buchmesse 2016 einem zahlreichen und begeisterten Publikum vorgestellt.
 
Es stünde dem Vorstand des FBK in Sachsen-Anhalt gut zu Gesicht, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken und in einer Mitgliederversammlung zu erörtern, gerade auch im Zusammenhang mit dem laufenden Arbeitsprozess und der sachkundigen Einarbeitung eines Nachfolgers bzw. einer Nachfolgerin.
 
Denn dass Herr Jankofsky eine Lücke hinterlässt, spüren Sie spätestens dann, wenn es um die leidigen Antragstellungen für Projekte und die Sicherung der institutionellen Förderung geht.
In Gefahr gerät so auch der Erhalt der Literaturzeitschrift "Ort der Augen".
 
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Grüneberger
 
Schriftsteller und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland sowie
Vorsitzender der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik

20.07.2018

Leider habe ich bisher keine Antwort bekommen. Es ist auch nicht ersichtlich, wie sich der Vorstand Ihres Vereins zusammensetzt. Außer der Vorsitzenden wird niemand namentlich genannt. Das sollte geändert werden.

 

 

02.08.2018

Jetzt ist inzwischen ein Monat vergangen, ohne dass ich eine Antwort erhielt.

Was sind Sie für eine Institution?


Weiterer Offener Brief von Ludwig Schumann (August 2018)

 

 

 

Der Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen-Anhalt ist Teil des bundesweiten, nach dem sich um moderne Literatur im schulischen Unterricht bemühenden niedersächsischen Lehrers Friedrich Bödecker benannten Verbandes. Dass der sachsen-anhaltische FBK im Kreis der bundesweiten Friedrich-Bödecker-Kreise besondere Beachtung aufgrund seiner umfangreichen Arbeit fand, ist dem jetzt entlassenen und dem Vorwurf der Untreue ausgesetzten Geschäftsführer Jürgen Jankofsky zu verdanken, der als geborener Netzwerker es verstanden hatte, nicht nur die eigentlichen Projekte des FBK in Form der Schulschreiber, des Projektes „Kindsein in Sachsen-Anhalt“ etc. jährlich zu platzieren und durch intelligente Konzepte dafür auch Fördermittel zu generieren, sondern auch gewichtige Teile der Literaturförderung des Landes am FBK festzumachen, wie die Interlese oder beispielsweise die Herausgabe der sachsen-anhaltischen Literaturzeitung oda (Ort der Augen) viermal im Jahr zu bewerkstelligen, von Lesungen der Schriftsteller in Schulen, Bibliotheken und anderswo ganz abgesehen. Zum Netzwerk gehören auch die Kontakte zur armenischen, zur bulgarischen, zur Literatur der Balkanstaaten. Soweit, so gut.

Worauf basiert der Vorwurf der Untreue? Jankofsky, neben FBK-Geschäftsführer, langjähriger stellvertretender Vorsitzender des Bundes-FBK, Schatzmeister des Deutschen P.E.N., ist auch Autor diverser Bücher, darunter die Erzählung für Kinder „Anna Hood“. Eine Geschichte, die er schrieb – ich zitiere Jankofsky – weil er Autoren, die er zur Interlese einladen wollte, 2017 in die Grundschulen schicken wollte (was er im Übrigen auch getan hatte). Dafür brauchte er Übersetzungen. Bis dahin war das, zumindest nach Jankofskys Reden, ein FBK-Projekt. Was ihm jetzt zum Vorwurf gemacht wird: Im inzwischen beim Mitteldeutschen Verlag erschienenen Buch fehlt der Hinweis darauf, dass es sich um ein FBK-Projekt handele. Der ominöse Schaden, um den es geht, sind 4090 EUR. Entlässt man deshalb in einer Phase, in der ja nicht einmal der Vorwurf staatsanwaltlich geklärt war, sechs Monate vor dem Eintritt in den Rentenstand einen Vorsitzenden, der achtzehn mehr als erfolgreiche Jahre ins Spiel bringen kann? Wieso hat ihn der Vorstand nicht einfach bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt? Wieso richtet die Vorstandsvorsitzende Dorothea Iser den Maximalschaden an, indem sie, Wochen, bevor sie den Strafantrag stellt, Monate, bevor es überhaupt eine Klärung geben kann, bereits nicht nur das Landesverwaltungsamt, sondern auch den Bundes-FBK und den Deutschen P.E.N. informiert?

Wieso werden sowohl in der MZ als auch in der Volksstimme ausführlich nur die Anwürfe Isers zitiert? Wieso gibt Dorothea Iser nicht die Information weiter, dass sich Jankofsky derzeit auf einer Recherchereise befindet, die bereits im vorigen Jahr geplant war?

Ist es dem Vorstand tatsächlich deutlich gewesen, dass er mit der überzogenen Kündigung und allem, was danach unqualifizert nachgetreten wurde, eben nicht nur den FBK, sondern die Literaturlandschaft Sachsen-Anhalt beschädigt? Wollte er das gar?

Sicher, Jankofsky ist ein Berserker, was seine Arbeit angeht. Jemand, der seine Arbeit zu seiner Obsession gemacht hat, wird immer anecken. Wird ein höchst ungemütlicher Mensch sein und bleiben. Man muss ihn nicht mögen. Aber Streit muss man auch austragen, in der Sache hart, ohne freilich die Person beschädigen zu wollen. Und jemanden ohne Not so nachhaltig zu beschädigen, wie es jetzt der Vorstand des FBK mit Jankofsky zelebriert hat, der dazu die Fäden zu seinen Netzwerken in Händen hält, ist geradezu schon selbstmörderisch.

Inzwischen ist Dorothea Iser genauso chaotisch, wie diese ganze Unternehmung war, vom Vorsitz zurückgetreten. Rechtzeitig vor dem 5. September, der zu spät anberaumten außerordentlichen Versammlung der Mitglieder des FBK. Einer verweigerten Entlastung kommt sie damit zuvor. Die Strafanzeige gegen Jankofsky stellte sie erst mit ihrem Rücktritt. Das macht die Konfusion nicht kleiner, wenigstens entfallen die Wahlen zu einem neuen Vorstand. Das ist die gute Nachricht dabei. Im Zeitplan des FBK wäre die Neuwahl erst im April 2019 möglich. Sofern die causa Jankofksky dann abgeschlossen ist.

Ja, ein tiefer Riss zieht sich nun durch die Schriftstellerschaft Sachsen-Anhalts. Der FBK muss nun warten, was staatsanwaltlich zum Thema Untreue ermittelt wird. Das Kulturministerium lässt erkennen, dass man lösungsorientiert vorgehen möchte. Was aber kaum noch zu reparieren ist, ist die Tatsache, dass sich maßgebliche Schriftsteller, ich erinnere nur an Wilhelm Bartsch aus Halle, aus dem Dunstkreis eines so provinziell agierenden Vereins, einschließlich des Schriftstellerverbandes und der Förderverbände, entfernen und anderswo ein Zuhause suchen. Das ist mehr als bedauerlich. Ich verstehe das, denn was ich in den letzten Monaten an Taktiererei meiner Kollegen hier im Norden Sachsen-Anhalts erlebt habe, hält meine Lust auf weitere Zusammenarbeit in sehr engen Grenzen. Wobei es da nicht darum ging, Jürgen Jankofky eine weiße Weste zu verpassen. Die Vorwürfe stehen im Raum und bedürfen der Klärung. Dass aber die Art und Weise, wie der FBK-Vorstand agierte, unterstes Provinz-Niveau ist, darüber hätte Einigkeit bestehen können. Aus diesem Grund stehe ich dem Förderverein der Schriftsteller nicht mehr zur Verfügung, dem FBK nach dem jetzt anlaufenden Kindsein-Projekt in Loburg, das ich bereits zugesagt hatte, auch nicht mehr. Wer um der eigenen Pfründe wegen nicht mehr redefähig ist, mit dem muss man auch nicht mehr zusammen schreiben. Oder lesen.

 

 

 

Weiterer Offener Brief von Wilhelm Bartsch (August 2018)

An die Vorsitzende, den Vorstand und die Mitglieder des FBK Sachsen-Anhalt e.V.

(als Diskussionsmaterial für die außerordentliche Mitgliederversammlung am5.9.18)

 

Ich nehme hiermit die letzten Ereignisse im und um den FBK Sachsen-Anhalt e.V. zum Anlass, meine Gedanken zu den Vorgängen zu präzisieren und auch meine literarische Mitarbeit in Sachsen-Anhalt zu bilanzieren. Viel lieber würde ich jetzt wieder an meinen Texten arbeiten, mit denen ich ja bisher meistens Ehre für Sachsen-Anhalt eingelegt habe, zumindest in Deutschland, also wohl eher außerhalb von Sachsen-Anhalt. Ohne literarische Texte von Rang oder zumindest von Wirkung aber ssten wir hier nämlich über rein gar nichts reden. Es ist bezeichnend für die eingetretene Situation, dass ich hier eine solche Plattitüde von mir geben muss.

Ich fühle mich natürlich als unmittelbar Mitbetroffener der Kampagne gegen Jürgen Jankofsky und nehme an, dass die auch so gemeint ist. Zu gegebener Zeit und am entsprechenden Ort werde ich übrigens auch noch die denunziatorische Arbeit der PEN-Mitglieder Andreas Montag und Kai Agthe in der „Mitteldeutschen Zeitung würdigen, die durch Dorothea Iser, ihren Vorstand und andere umliegende Interessenten bzw. Denunzianten initiiert wurde.

Hinter der perfiden Vortäuschung einer ausgewachsenen MeToo-Problematik, die Jürgen Jankofsky in seiner unmittelbaren Umgebung bereits merklich geschadet hat und der selbst so hochintelligente und zeitgeisterprobte Kollegen (...) bereits aufgesessen waren, ist hier ein „Alterschauvinismus“ zu studieren, wie ich ihn zunehmend auch selber, wenn auch zu meinem Glück nur ansatzweise, erlebe und wie ihn jüngst bei den Augsburger Brecht-Tagen Bazon Brock wegen der Ausfälle seiner Mitdiskutantin Stefanie Sargnagel gegen ihn thematisiert hat (siehe https://www.augsburger allgemeine.de/augsburg/kultur/Bazon-Brock-Das-ist- reiner-Faschismus id50450041.html.): Jürgen Jankofsky ist nämlich nicht der Einzige in Deutschland, der kurz vor dem Ruhestand und eigentlich  g e r a d e  w e g e n  seiner großen Verdienste derartig gemobbt und absolut unanständig abserviert wird. In diesen hier zugleich noch zu beobachtenden Formen schwerer Störungen zwischen den Generationen wird nämlich auch überall sonst ein Zersetzungsprozess innerhalb der deutschen Gesellschaft deutlich, der nichts Gutes für eine Zukunft erwarten lässt, die sich vor allem Kräfte der zweiten und dritten Garnituren jetzt überall aneignen.

 Jeder weiß, dass Jürgen Jankofsky und ich freundschaftlich seit sehr vielen Jahren miteinander verbunden sind. Jeder könnte aber auch wissen, dass wir streckenweise unterschiedliche Talente besitzen. Zum Beispiel hätte ich niemals die Organisationskraft, das Zusammenführungstalent und die Freude an solcher Arbeit wie Janko. Was uns vor allem auch verbunden hat - und auch weiterhin noch verbindet -, waren des öfteren auch unsere verschiedenen Auffassungen in so mancher Angelegenheit. Wie auch sollten denn sonst Produktivität und Kreativität entstehen?

Zum Beispiel war ich bei einigen Modalitäten der Landesliteraturtage in Sachsen-Anhalt   nahezu konträrer Auffassung gegenüber Janko, wie sie etwa auch einmal in der „Mitteldeutschen Zeitung näher ausgeführt wurde. In den Diskussionen mit Janko kam aber auch in diesem Fall heraus, dass Vieles, ja das Meiste nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern das Verhandlungsergebnis einer spezifschen Gesamtinteressenlage in Sachsen-Anhalt war, in dem Fall wohl besonders der ja demokratisch sehr statthafte kftige Einfuss der Landkreise.

Dennoch bewegte sich in den letzten Jahren auch durch Jankos Verhandlungsgeschick einiges in der Richtung einer weiteren Öffnung der Landesliteraturtage ins Bundesgebiet und ins Internationale und weg von der kulturellen Provinzgikanne, wie sie auch neben etwa Stadtteilfesten traditionell viel eher die Sozial- als die Christdemokraten zu gebrauchen wussten.

 Mein Schreiben vom 11. Juli 2018 betrachtete und betrachte ich als eher satirisch-literarische Ergänzung zu dem bereits von Thomas Rackwitz und Ludwig Schumann/ Harry Ziethen umfassend Formulierten. Dennoch ist es eben eine Ergänzung mit seinen Hinweisen auf Ross und Reiter, bzw. auf drei Stuten, einen Wallach und ein Pony. Meine Minimalforderung bleibt daher auch jetzt die Abwahl des gesamten Reitstalls.

(...)

Dies sei schon an dieser Stelle gesagt, weil ich zum Zeitpunkt der wohl kalkuliert so spät anberaumten Mitgliederversammlung nicht in Deutschland bin, wie ich es AnfangJuli dem Vorstandsmitglied Marco Organo betreffs einer schon da so dringend nötigen Mitgliederversammlung auch gesagt habe. Er schrieb mir übrigens am Sonntagabend, dem  8. Juli 2018 unter anderem: „...ich fasse mich kurz: Einflussnahme o.ä. ist nicht gut. Ich habe MEINE Argumente...“ Nun ja, Demokratie „o.ä.“ könnte man durchaus auch als eine einzige gegenseitige Einflussnahme bezeichnen, wenn aber jemand SEINE Argumente oder Interessen ins Feld führt, ohne sie überhaupt zu nennen, so hat er zumindest im Vorstand eines Vereins, in dem ICH Mitglied bin, nichts verloren, und ich werde ihn zusammen mit Anderen abwählen und andernfalls solch einen absolutistisch strukturierten Verein verlassen.

Schlimmer ist jedoch, dass hinter den Ereignissen und ihren BetreiberInnen noch andere Personen und Interessen vermutet werden ssen. Dazu etwas auszusagen, muss der nun kommenden Zeit überlassen bleiben, wo diese sich deutlicher zeigen und ihre Forderungen schon noch anmelden werden. Mein Gefühl sagt mir auch, dass viele oder wenigstens einige der Generationsgefährtinnen und -gefährten von Blech, Organo und Bierbaß dieses ganze miese Spiel zumindest tolerieren. Eine Liste der Nichtunterzeichner des Schumann-Ziethen- Schreibens würde zum Beispiel den gesamten oder fast den gesamten Dienstagslesekreis in Halle umfassen, den ich bis dato immer in meiner Literaturwerkstatt nicht als Konkurrenz, sondern willkommene Ergänzung empfunden habe.

(...)

 Was mich aber wirklich beunruhigt, ist die Tatsache, dass hier ein Projekt wie Anna Hood“ und die entsprechenden Übersetzungskosten als Kündigungsgrund gegen deren Autor Jürgen Jankofsky benutzt wird. (...) Der FBK, ein rein deutscher Verein ohne seine internationalen Kontakte? Das kann doch wohl alles nicht wahr sein! Die Mitglieder der AfD-Fraktion im Landtag zum Beispiel reiben sich die Hände, wenn sie von diesen Vorgängen erfahren.

Im übrigen möchte ich gar nicht so sehr wissen, was Jürgen Jankofsky, wie durch Dorothea Iser angedroht, sonst noch so alles in den letzten zehn Jahren verbrochen“ haben könnte, denn da wird man kaum etwas Relevantes fnden, sondern vor allem die Bilanzen, Arbeitsweisen, Landeszuwendungen (etwa über den FBK) etc. etc. des von Dorothea gegründeten und heute noch im Lektorat betreuten dorise-Verlags einmal genauer erläutert bekommen und das möchte ich, wenn schon möglicherweise nicht mehr als FBK-Mitglied, so doch als Steuerzahler einmal wirklich wissen!

 

Ich hoffe nun, dass dieses mein oben formuliertes Votum in dieser Ausnahmesituation und darüber hinaus auch das Schreiben hier als mein Diskussionsbeitrag auf der Mitgliederversammlung Anfang September trotz meiner Abwesenheit anerkannt und als gültig gewertet wird. Sollte auch nur Eine/Einer des alten Vorstands und ihre Vorsitzende im Amt verbleiben, tritt in Kraft, dass ich mit diesem Tag den FBK Sachsen-Anhalt als Mitgliedverlassen haben werde.

Dennoch will ich in diesem Fall schon hiermit den Bundesvorstand bitten, mich in einem anderen Bundesland als Mitglied zu führen, zum Beispiel in meinem Geburtsbundesland Brandenburg, zu dem ich natürlich literarische und andere Kontakte pflege, wenn auch nicht so viele wie nach dem Bundesland Berlin, ebenso zu Thüringen, wo ich, auch erst jüngst, wichtige Bücher veröffentlichte und eine aktive Mitarbeit pflege, etwa in der Literaturgesellschaft Thüringen, auch in Sachsen, wo ich beispielsweise Mitglied in der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden, aber auch etwa in der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft in Leipzig bin.

 

Da vermutlich „Ort der Augen“ geschlossen oder zumindest für mich unzumutbar wird, würde auch diese meine Mitarbeit wie die Schullesungen in Sachsen-Anhalt durch den FBK wegfallen. Da nun schon die Kunststiftung Sachsen-Anhalt nach meinen drei Test-Versuchen in den letzten Jahren zur Projektförderung (Roman, Gedichtband, Essayband) die entsprechende Qualität dafür bei mir nicht feststellen konnte und auch in Zukunft nicht feststellen wird, da ich diese Testreihe abgeschlossen habe, und da weiterhin auch das Kulturministerium von Sachsen- Anhalt auf meine Anfrage hin keine weiteren Fördermöglichkeiten außerhalb der Kunststiftung herausfnden konnte, versuche ich meine ohnehin seit ein paar Jahren nur noch geringen Verdienstmöglichkeiten, die nun anscheinend in Sachsen-Anhalt gegen Null tendieren werden, bereits in anderen Bundesländern auszuschöpfen. Falls demnächst in solchen Angelegenheiten ein Heimatbundesland angegeben werden sste, würde ich jetzt schon Brandenburg nennen.

 

Die Literaturwerkstatt Sachsen-Anhalt Süd werde ich laut Vertrag mindestens noch bis Jahresende weiterführen. Am 13. September 2018 feiere ich für mich selbst mein 25jähriges Werkstattjubiläum. Ein viertel Jahrhundert lang habe ich zum Teil in der Tradition der Gruppe 47 und ganz in der Tradition von Friedrich Döppe und von Rüdiger Ziemann jeden zweiten Montag im Monat ununterbrochen diese Werkstatt durchgeführt und bin dabei nur sehr selten einmal in meinem Auftrag vertreten worden. Man würde staunen, wie viele, auch sehr erfolgreiche Autorinnen und Autoren, und erfolgreich oft nicht nur im Literaturbetrieb, dies absolviert haben. Die Meisten von ihnen zeigten und zeigen sich dafür dankbar. Ich glaube indessen nicht, dass irgendwen in Sachsen-Anhalt mein dementsprechendes Archiv, in dem jede Veranstaltung mit allen Teilnehmenden und ihren vorgelesenen Texten usw. noch irgendwen interessiert. Ich gebe es auch gar nicht heraus und werde es dann meinem Nachlass  anvertrauen. Ich verlange jedoch, dass diese meine so erfolgreiche Arbeit, wenn sie schon vermutlich demnächst abgebrochen werden muss, noch entsprechend gewürdigt wird. Wenn nicht, dann werde ich das auch an entsprechender Stelle noch selber tun. Das bin ich allein schon allen Teilnehmern schuldig. An Helfern wird es mir dabei gewiss nicht mangeln, und ich habe dieser Tage auch wunderbare solidarische ckmeldungen von meinen vor allem

talentiertesten Werkstattteilnehmern aus allen Zeiten, die mir zeigen, dass meine Arbeit zumindest für sie so wichtig gewesen ist, und dabei schätzten sie vor allem neben meinem Wissen und meiner Erfahrung mein einziges Werkstattgrundprinzip, dass ich selber in der Runde immer nur der Primus inter partes gewesen bin in dem Sinne, das ja wenigstens einer auch irgendwie leiten, protokollieren, archivieren und nach außen weitervermitteln musste. Auch das Non-Elitäre in der Werkstatt wurde geschätzt, denn auch weniger Talentierte aber anders Bedürftige“ hatten auch ihren Platz in der Runde.

 

 

 

Was ich nicht abbrechen werde, ist meine Arbeit mit armenischen Autoren und Texten und an gemeinsamen Projekten in Armenien und Deutschland. Sachsen-Anhalt vertritt übrigens die Bundesrepublik Deutschland in den Beziehungen zur Republik Armenien, auch und gerade in der Literatur. Dies für diejenigen, die das noch nicht mitbekommen haben.

 

 

Da ich selbst Ehrenmitglied der Union der armenischen Schriftsteller bin, habe ich auch eine bleibende Pficht dazu. Sollte aber der FBK und das dazu durch den Bund auch beauftragte Land Sachsen-Anhalt diese Aufgabe in irgendeiner Weise nicht weiter erfüllen können oder wollen, so sste ich zusammen mit dem anderen armenischen Ehrenmitglied Jürgen Jankofsky und zusammen mit unseren armenischen Kolleginnen und Kollegen neue Wege wohl auch außerhalb von Sachsen-Anhalt beschreiten.

 

 

 

Wilhelm Bartsch